Kloster Engelberg und Küsnacht am Zürichsee: 588 Jahre Geschichte
Kloster Engelberg und Küsnacht am Zürichsee: 588 Jahre Geschichte
Zwischen dem Benediktinerkloster Engelberg in den Innerschweizer Bergen und der reformierten Seegemeinde Küsnacht am Zürichsee bestand über 588 Jahre eine enge wirtschaftliche und kulturelle Verbindung.
Sie begann 1433 mit dem Erwerb von Weinbergen, dem bischöflichen Quart und dem Nutzungsrecht an der Küsnachter Zehntentrotte und überdauerte die konfessionellen Brüche der Reformation wie spätere Krisen.
Der Band versammelt Beiträge, die diese ungewöhnliche Kontinuität anhand von Urkunden, Briefwechseln und lokalen Spuren rekonstruieren. In einer klaren, festen Bindung auf schwerem Papier gehalten, wird das Buch selbst zum ruhigen, materiellen Gegenstück der archivalischen Arbeit – ein bibliophiles Objekt, das die historische Dichte angemessen verkörpert.
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Die vorliegende Publikation, erschienen zum 900-jährigen Jubiläum des Stifts, untersucht diese Beziehung in ihren konkreten Ausprägungen. Sie beleuchtet den klösterlichen Besitz fern der eigenen Ländereien, die administrative Praxis der Amtmänner und die Fortsetzung der Wirtschaftsbeziehungen auch nach der Reformation. Einzelne Beiträge widmen sich der Pilgerfahrt eines Engelberger Mönchs ins Heilige Land im Jahr 1519 ebenso wie den Folgen des grossen Klosterbrandes von 1729 für die weitverzweigten Interessen des Stifts.
Die Autoren – darunter der Küsnachter Lokalhistoriker Armin Eckinger, der ehemalige Stiftsarchivar Adalbert Vogel sowie Rolf de Kegel und Annina Sandmeier-Walt – stützen sich auf umfangreiches Quellenmaterial aus dem Klosterarchiv. Sie verbinden lokalhistorische Detailarbeit mit der Einordnung in die breitere eidgenössische Geschichte. So entsteht ein Bild institutioneller Kontinuität, das zeigt, wie pragmatische Interessen theologische und politische Gräben überbrücken konnten. Der Band bleibt bewusst auf der Ebene sorgfältiger Rekonstruktion und verzichtet auf grössere Thesen. Gerade darin liegt sein Wert: Er macht eine spezifische, lange unterschätzte Verflechtung der Schweizer Geschichte sichtbar, ohne sie zu überhöhen.
