Der Druck ist nicht das Buch
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Wer Kunstbücher fördert, weiss, was Papier kostet. Wer sie macht, weiss, dass Papier der kleinste Posten ist. Dazwischen liegt ein Missverständnis, das Stiftungen Geld und Künstlern Illusionen kostet.
Die Druckerei schickt eine Offerte, und sie ist hübsch übersichtlich: Seitenzahl, Format, Auflage, Einband, ein Betrag am Ende. Man hält ihn für den Preis des Buches. Dabei beziffert die Offerte nur, was mit dem fertigen Buch geschieht, nicht, was ihm vorausgeht. Und vorausgehen muss viel.
Ein Modell macht es anschaulich. Nehmen wir einen Band in 300 Exemplaren, gedacht als Verhältnis am Ladenpreis, nicht als Kalkulation, und ausdrücklich geschätzt statt gemessen: Rund zwei Fünftel des Ladenpreises bleiben beim Buchhandel und Grossisten hängen. Druck und Bindung machen bei dieser Auflage vielleicht ein Sechstel aus. Lager, Versand und Auslieferung zehren einen weiteren, kleinen Teil auf. Was übrig bleibt, muss die gesamte Vorarbeit tragen, und die ist der grösste Posten.
Diese Vorarbeit besteht aus Text, der lektoriert und korrigiert werden will, bei Kunstbüchern gern in zwei Sprachen. Aus Bildern, deren Beschaffung, Reproduktionsrechte und Farbmanagement Wochen kosten. Aus Umschlag, ISBN, Metadaten und Freigabe. Sie fällt an, ob 200 Exemplare gedruckt werden oder 2000. Je kleiner die Auflage, desto schwerer trägt jedes Exemplar daran. Deshalb ist ein Katalog in kleiner Stückzahl scheinbar absurd teuer und ein Bestseller scheinbar absurd billig. Beide sind folgerichtig kalkuliert.
Am teuersten ist, was man am fertigen Buch nicht sieht: das Mikrolayout. Wo bricht die Zeile, wo trennt das Wort, welche Zeile bleibt allein am Seitenende stehen, wie sitzt die Legende zur Abbildung? Jeder Eingriff verschiebt den nächsten, auf einer Kunstbuchseite mit Bild, Anmerkung und Legende gleich drei Dinge auf einmal. Gelingt es, bemerkt es niemand; misslingt es, wirkt das Buch unruhig, und keiner weiss, warum. Das Geld fliesst deshalb nicht in eine Maschine, sondern in die Stunden eines Menschen, der hinsieht.
Und nun die Fördergelder. Ein Druckkostenzuschuss, so willkommen er ist, deckt den Druck und lässt die Arbeit unbezahlt. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern der häufigste Konstruktionsfehler der Buchförderung: Man finanziert den sichtbaren Teil und wundert sich, dass der unsichtbare nicht von selbst geschieht. Wer Qualität will, muss Lektorat, Bildredaktion und Mikrolayout mitfinanzieren oder sie bewusst weglassen und das Ergebnis dann nicht beklagen.
Besonders hartnäckig hält sich die Überzeugung bei jenen, die vom Fach zu sein glauben. Der Kurator, der in seinem Haus Kataloge betreut hat, kennt den Betrieb von innen, aber selten die Kalkulation. Der Künstler, der sein Buch «einfach drucken» möchte, kennt sein Werk und unterschätzt, was zwischen Werk und Buch liegt. Beide meinen es gut und rechnen falsch.
Abhilfe schafft eine Rechnung, die vor der Bewilligung auf dem Tisch liegt: was die Vorarbeit kostet, was der Druck, was der Vertrieb, wie viele Exemplare man tatsächlich braucht und wie viele bloss zu brauchen glaubt. Dann wird aus «Was kostet ein Buch?» die bessere Frage: «Was soll dieses Buch leisten, und wer bezahlt wofür?»
Bei Digiboo stellen wir diese Rechnung vorab auf, nüchtern und für jedes Projekt einzeln. Sie schmeichelt selten. Aber die Alternative ist die teuerste Variante: Am Ende hat die Stiftung das Papier bezahlt und kein Buch bekommen, das den Aufwand rechtfertigt.