Der Buchdrucker, Holzschnitt von Jost Amman aus dem Ständebuch, Frankfurt 1568

Die Backlist gehört dem Verlag

Die 78. Frankfurter Buchmesse läuft, und sie ist weniger eine Neuheitenschau als ein Marktplatz für Rechte, Formate und Communities. Von Küsnacht aus betrachtet, fällt vor allem ein Thema ins Gewicht: die künstliche Intelligenz. Sie zieht sich durch das gesamte Fachprogramm, von Lizenzen an KI-Firmen über den Schutz vor Text- und Data-Mining bis zur Sichtbarkeit in der KI-Suche und zu den Metadaten.

Auf den Panels läuft die Linie auf einen schlichten Satz hinaus. Verlage sollen ihre Backlists aktiv lizenzieren, statt Inhalte nur abfliessen zu lassen. Das ist weniger ein technischer als ein eigentumsrechtlicher Gedanke. Wer über seine Bücher nicht verfügt, wird über sie verfügt.

Ebenso bemerkenswert ist, wie weit der Begriff des Rechts inzwischen gefasst wird. Neben dem klassischen Rights Centre stehen Audio, Film, Serien, Comics und Games. Am heutigen Book-to-Screen Day geht es nicht mehr nur um Druckrechte, sondern, wie es der scheidende Messedirektor Jürgen Boos beschreibt, um Figuren, Storylines und Streaming. Ein Buch ist demnach nicht mehr bloss ein Gegenstand, sondern ein Bündel von Rechten.

Was heisst das für einen kleinen Verlag wie Digiboo? Unsere Backlist besteht aus Kunstgeschichte, Kulturgeschichte und Essay. Das sind Titel, die lange tragen und deren Wert sich nicht im ersten Verkaufsjahr erschöpft. Gerade deshalb sollen sie nicht unkontrolliert in fremde Systeme einfliessen. Ich will, dass wir wissen, wer unsere Texte nutzt, und dass dies unter Bedingungen geschieht, die wir gesetzt haben.

Zugleich halten wir an einer Linie fest, die auf den ersten Blick quer dazu liegt: Mehrere unserer Bücher erscheinen als Open-Access-Fassungen bei arthistoricum, der Fachinformation der Universitätsbibliothek Heidelberg, und daneben als Printausgabe. Das ist kein Widerspruch. Offener Zugang für die Wissenschaft und kontrollierte Lizenzierung für kommerzielle Verwertung sind zwei verschiedene Entscheidungen. Beide setzen aber voraus, dass der Verlag sie selbst trifft.

Für die kommenden Monate nehme ich aus Frankfurt deshalb zwei Vorsätze mit: unsere Metadaten so sorgfältig zu pflegen, dass unsere Titel auch in der KI-Suche auffindbar bleiben, und die Rechtefrage jedes Buches so zu klären, dass wir sie beantworten können, bevor sie jemand anderes stellt.

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